Von Periyar nach Munnar

Schweren Herzens verlassen wir unseren Lake Palace. Nach einer kurzen Fahrt mit der Fähre sitzen wir mal wieder im Auto.

Auf die Frage, wie lange wir fahren werden, war die Antwort: „Two hours.“ Also sollten wir dann wohl gegen 11:00 ankommen. Thekaddy, die Stadt im Periyar Gebiet, ist komplett auf Touristen fokussiert – ein Hotel steht neben dem anderen, dazwischen sind alle möglichen Geschäfte und Reisebüros, die verschiedene Touren anbieten.

Auf dem Weg sehen wir sehr viele Häuser – leider sehr oft hinter Bäumen versteckt – die selbst bei uns als luxuriös gelten würden. In dieser Gegend von Kerala gibt es offenbar viele wohlhabende Familien.

Auch viele riesige Kirchen, aber auch Moscheen und Tempel liegen auf unserem Weg. Man könnte meinen, man befindet sich in Rom – an jeder Ecke eine Kirche. Leider meint unser Fahrer, daß er ein Rennen gewinnen muß, und fährt relativ schnell. Von vielen Gotteshäusern sehen wir nur einen Turm oder die Zufahrt.

Auf einmal steht da ein Schild: die Straße ist komplett gesperrt. Der Fahrer folgt der Umleitung. Die Gegend wird ärmlicher, die Straßen immer schmäler und schlechter. Trotzdem sieht man immer noch das eine oder andere schöne Haus zwischen den Bäumen hervorschauen. Die Straßen führen in vielen Kurven durch die Berge.

Irgendwann sehen wir dann die ersten Teesträucher.

Inzwischen ist es gegen 12:00 und unser Fahrer wirkt immer unsicherer. Er entschließt sich anzuhalten und zu fragen wo es lang geht – die Antwort ist ernüchternd. Wir sind falsch und müßen über 20km zurück und dann anders abbiegen.

Also in wilder Jagd die Straße zurück – er fährt merklich flotter… Von Zeit zu Zeit hält er an und fragt wieder nach. Wir finden die Abzweigung und es geht eine sehr enge Straße steil nach oben. Laut Navi, daß ich inzwischen auf meinem Handy aktiviert habe, sollte der Weg eine Zufahrt zum „International High Way 85“ sein. Von dort sind es dann nur noch wenige Kilometer. Die Straße wird immer steiler, enger und schlechter. Es sind auch mehrere massive Muren und Steinschläge zu sehen.

Nur noch zwei Kurven und wir sollten am Highway sein. Nur steht da plötzlich ein Schild: „Stop, Road Work in Progress!“. Unser Fahrer zögert, schaut auf das Navi und entscheidet weiter zu fahren. Dann stehen wir in einer Baustelle. Anscheinend ist der halbe Berg heruntergekommen und hat den Highway zerstört. Hier sind Bagger und andere Maschinen im Einsatz. Die Richtung in die wir müssen ist unpassierbar!

Wir fahren also durch die Baustelle, weichen gekonnt LKWs und Baustellenmaschinen aus und kommen dann nach einigen Kilometern zu einem nicht zerstören Stück, wo der Fahrer massiv auf’s Gas steigt. Bei dem nächsten Verkaufshäuschen bleibt er stehen und redet lange mit den dort anwesenden Personen. Das Ergebnis: wir müssen zurück, hier sind wir falsch.

Also wieder Richtung Baustelle. Am Anfang steht ein „Wächter“, der mittels Absperrband den Weg versperrt. Es gibt eine kurze, hitzigen Diskussion, und wir dürfen wieder in die Baustelle einfahren. Durch die ganze Baustelle, hinaus bei der Ausfahrt durch die wir gekommen sind, wieder die engen Straße hinunter.

Der Fahrer fragt praktisch jeden, der uns begegnet, wie er fahren muß und wirklich, wir kommen langsam immer näher. Es ist jetzt schon 14:00 vorbei und wir fahren wieder eine enge, steile Straße nach oben in Richtung Highway – in der Hoffnung, daß wir dort auffahren können. Ja, es geht, und nach wenigen Kilometern fahren wir ab in ein Tal, wo wir nach knapp einem Kilometer tatsächlich unser Hotel finden.

So sieht der Internationale Highway 85 aus:

Eine einspurige Straße durch die Teeplantagen!

Um 14:30 fallen wir aus dem Auto und sind streichelweich. Die permanenten kurvigen Straßen fordern ihren Tribut. Wir sind froh, daß wir heute nichts mehr geplant haben!

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