Hin- und hergerissen

So hin- und hergerissen zwischen mögen und Abneigung waren wir noch nie. Buenos Aires ist für uns ein Rätsel. Es gibt Städte die wir lieben: Wien, Rom, London, Berlin, etc. und auch welche die wir nicht mögen: Agra, Philadelphia und ähnliche.

Natürlich gibt es in Buenos Aires sehr schöne Locations.

Das Stadtzentrum rund um den Plaza de Mayo besteht aus vielen interessanten und imposanten Gebäuden auch wenn hie und da ein Neubau den Eindruck verschandelt.


San Telmo ist speziell am Wochenende (Markt) wirklich wunderschön, man kann sich am Plaza Dorrego eine Tango – Show ansehen und im historischen Café Dorrego (wie schon beschrieben) eine Pause einlegen. Wer unbedingt will, am Platz ist auch ein Starbucks.


Der Tango ist wirklich der Tanz in Argentinien. Er wird sehr leidenschaftlich zelebriert und man findet überall irgendwelche Shows und Tanzeinlagen (zugegeben, nur an den Touristenpunkten).

Auch La Boca ist wirklich sehenswert – allerdings genau zwei Häuserblocks. Rundherum will man sich nichts ansehen.


Der Friedhof in Recoleta ist sicher sehenswert, die Strasse mit den schönen Häusern bietet leider nur wenige wirklich interessante Objekte.


Wie in vielen Städten ist China Town (1-2 Strassen, 3-4 Blocks) sehenswert, aber auch hier ist man – selbst mit Mittagessen – in spätestens 2 Stunden durch.


Palermo, wo wir unser Quartier haben, erinnert zwar an die Außenbezirke von Rom aber dort ist es definitiv schöner. Der Gehsteig ist oft nur eine Kraterlandschaft, es gibt sehr viele Häuser, die am Verfallen sind. Klar gibt es auch nette Strassen (Fitz Roy), aber dazwischen gibt es immer wieder gräßliche Neubauten, die einen absoluten Ostblock-Atombunkerscharm versprühen. Hier findet man zwar viele, meist auch gute, Lokale – aber leider auch das eine oder andere absolut gräßliche (gemeint sind die Speisen, nicht das Lokal).



Es gibt viele Parks, die teilweise aneinander anschliessen und speziell am Wochenende stark besucht sind. Der Zoo wurde 2016 geschlossen und wird aktuell zu einem Eco-Park umgebaut. Das Planetarium und der umgebende Bereich werden gerade renonviert. Überhaupt gibt es hier sehr viele Baustellen. Man hat das Gefühl, dass überall begonnen, aber nirgends weiter gearbeitet wird. In der Gegend in der wir das Apartement haben, sind die eh schon schlechten Gehsteige aufgerissen und oft nur durch ein Absperrband gesichert. Arbeiter haben wir in der ganzen Zeit keinen einzigen gesehen.


Die „Prachtstrasse“ Av. 9 del Jujio, auf der auch der Obelisk steht, wird durch die meisten Gebäude verschandelt. Überhaupt hat man das Gefühl, dass alle Gebäude, die in den letzten 100 Jahren gebaut wurden, untereinander darum konkurieren welches am hässlichsten ist. Immer wieder sieht man ältere, schönere Häuser eingequetscht zwischen Ostblockatombunker.


Der öffentliche Verkehr (Bus und U-Bahn) sind, abgesehen davon, dass man in manchen Gegenden die Haltestellen nur erraten oder erfragen kann, sehr gut ausgebaut. Auch sind die Busse (die hier nicht „Bus“ sondern „collectivo“ heißen) sehr gut – aber die Fahrer sorgen für Spannung und Nervenkitzel. Bei Rot über die Kreuzung oder mit Notbremsung irgendwo dazwischen quetschen ist da schon normal. Überhaupt erinnert der Verkehr massiv an Kairo oder ähnliche Städte.

Somit: Wir können uns nicht entscheiden. Hätten wir es früher gewusst, wären wir nur maximal eine Woche hier geblieben. Wer eine Rundreise durch Argentinien plant und weder einen Sprachkurs machen noch Tango lernen will, braucht für Buenos Aires nur 2-3 Tage einplanen (idealerweise Freitag bis Sonntag, damit man die vielen Märkte erleben kann).

 

2 Gedanken zu “Hin- und hergerissen

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