Das Hodka-Desaster

Von Silvester hatten wir nichts, da unser Flug um 6:00 nach Bhuj statt fand – also mussten wir um 3:00 aufstehen. Zur unser Freude begleitet uns unsere Bekannte, die für uns die Planung der Indienreise gemacht hat.

Also verlassen wir das Hotel um 3:45 Richtung Mumbai Airport. Trotz der frühen Stunde ist die Hölle los, wir stehen fast eine Stunde beim Check-In. Natürlich mußten wir beim Security Check wieder alles ausräumen – dieses mal haben sie offensichtlich den Selfi-Stick für etwas Gefährliches gehalten…

Knapp eine Stunde vor Abflug waren wir am Gate, und nach wenigen Minuten wurde mit dem Bus-Boarding begonnen. Natürlich haben wir dann im Flugzeug warten müssen. Der Flug – knapp eine Stunde – war angenehm und in Bhuj waren wir der erste Flug des Tages.

Da wir kein Frühstück essen konnten, sind wir ins Click-Hotel beim Bahnhof – laut Google das Hotel mit der besten Bewertung in Bhuj – frühstücken gegangen. Schon das war ernüchternd. Es gab Kornflakes mit Milch, drei indische Gerichte sowie Weißbrottoast. Die Butter hat verdächtigt (ranzig) ausgesehen, war aber in Ordnung und die eine Sorte Marmelade war undefinierbar glibbrig. OK, was soll’s, wir werden dann halt im Mahefeel e Rann Resort in Hodka zu Mittag essen.

Auf der Fahrt haben wir dann noch ein Dorf besucht, dazu später mehr in einem anderen Blog.

Das Resort hat schon von außen keinen besonderen Eindruck gemacht. Als dann irgendwann (nach mehreren Minuten) ein Angestellter gekommen ist um uns beim Gepäck zu helfen, hatte er schmutzige Kleidung an. Bei der Anmeldung mußten wir uns selbst in ein Buch eintragen. Dann wurden wir zu unserer Unterkunft gebracht. Wie auch schon letztes Jahr war es ein einfacher, runder Bungalow. Das Waschbecken war dann in einem angeschlossenem Hinterhof und dahinter ein kleines Häuschen mit WC, Dusche und Spiegel (ohne Waschbecken).

Im Zimmer gab es keine Möbel, das Bett war mit dem gleichen Material gemacht wie der Boden – etwas lehmähnlichem. Darauf lagen nur wenige cm dicke Matratze und zwei Mini-Polster. Die zwei Fenster hatten nur vier Eisenstangen statt Fensterglas und die Innenflügel waren massiv undicht. Natürlich gab es keine Möglichkeit zu heizen und in der Nacht wird es zwischen 4 und 8 Grad haben – eine spannende Geschichte, wo haben wir noch mal die Wintersachen eingepackt?

Nachdem wir erschöpft waren, haben wir uns einmal auf das Bett gesetzt und die Tür weit offen gelassen, um wenigstens etwas Wärme in das kalte Zimmer zu bekommen. Dann der zweite Blick:

Die Sicherungen für unsere Unterkunft befinden sich in der Dusche neben dem Heißwasserboiler! Die Tür zu dem Bad/WC-Häuschen lässt sich nicht versperren und im Freiluftwaschbecken tummelt sich eine Horde Ameisen. Das Bettzeug ist gelinde gesagt nicht ganz sauber und die Bettdecke stinkt, als würde sie seit Jahren nicht gewaschen worden (was vermutlich auch stimmt).

Da es Zeit für das Mittagessen ist, haben wir uns mit unserer Bekannten im Essbereich getroffen. Das recht überschaubare Buffet bestand nur aus scharfen indischen Speisen (Auf die Frage ob die Speisen scharf sind, war die Antwort übrigens: Nein, nicht scharf) – selbst unsere indische Bekannte konnte nicht alle Speisen essen! Für Max blieb nur Brot… Auch unsere Freundin ist ob des „Standards“ erschüttert – immerhin war sie über 30 Jahren im Tourismus tätig. Nachdem wir auch keinen Handyempfang haben, fragen wir unseren Guide ob und welche Alternativen es gibt. Es gibt – quasi über die Straße – das beste Ressort in der Gegend, nur müssen wir etwaige Schritte im Vorfeld mit der Reiseagentur klären. Also fahren wir zur Besichtigung des nächsten Dorfes, wo es auch Handyempfang gibt und es wird viel im Kreis telefoniert.

Die lokale Agentur, die im Auftrag unserer Agentur das Resort gebucht hat und den Fahrer sowie den Guide stellt, wirft dann dem Guide vor, daß er uns aufgehetzt hat. Als wir mit dem Mitarbeiter der Argentur sprechen wollen, hat dieser plötzlich keine Zeit und legt auf. Schelm wer da denkt, daß dieser von aktuellen Ressort eine Zuwendung bekommt…. Unsere Agentur ist bereit den Wechsel des Ressorts durchzuführen, sofern Zimmer verfügbar sind. Unser Guide findet heraus, daß es noch zwei Zimmer gibt, also fahren wir hin und schauen uns diese an.

Es sind ebenfalls einfache, runde Bungalows mit Bad/WC im angeschlossenem Nebengebäude. Die Zimmer haben Fenster aus Glas, die Türen schließen, die Decken riechen gewaschen (wenn auch Flecken zu sehen sind) – also OK, wir wollen wechseln. Dann geht es los: die Zimmer gibt es nur für eine – statt zwei – Nacht. Nach einigen weiteren Telefonaten ist der Plan für die nächsten Tage angepasst und von unserer Agentur bestätigt. Also sagen wir, daß wir die Zimmer nehmen und nur unser Gepäck holen.

Wir fahren also die wenigen 100 Meter zu unserem bisherigen Ressort, holen unser Gepäck, lassen uns auf keine Diskussionen ein – das weitere sollen die Agenturen klären – und fahren zurück. Nach ca 15 Minuten sind wir da und wollen das Gepäck ausräumen, da sagt uns der Manager – mit dem wir zuvor alles besprochen haben – er habe keine Zimmer mehr! Diese wurden in der Zwischenzeit ONLINE gebucht. Es entsteht eine lange, teilweise lautstarke Diskussion zwischen unserer Bekannten, dem Hotelmanager und dem Guide. Nachdem alles nichts hilft, beschließen wir sofort nach Bhuj zum nächsten Ressort weiter zu fahren (zwei Nächte zu früh). Unsere Agentur bestätigt die zusätzlichen zwei Tage hier, bevor wir angekommen sind.

Hier in der Kutch Safari Lodge haben wir letzlich ein Zimmer mit Tisch und zwei Sessel. Ein Badezimmer mit Dusche, WC und Waschbecken und einer Klimaanlage – leider ohne Heizfunktion – sowie Glasfenstern und dichten Türen. Es ist alles sauber – auch das Personal – und die Anlage ist deutlich gepflegter. Wir fühlen uns wie im Paradies!

Damit haben wir es geschafft, nach den nahezu perfekten Hotels der letzten Wochen auch – zumindest nach unserem Empfinden – die größten Absteigen in Indien kennen zu lernen! Wir sind uns sicher, daß entweder die lokale Agentur oder die beiden Ressorts miteinander gemauschelt haben um uns auflaufen zu lassen. Dank unserer Freundin und der tollen Unterstützung unserer Agentur konnten wir das Schlimmste abwenden.

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